3 Dinge, die Du über Persönlichkeitstest wissen solltest

  • 3 Dinge, die Du über Persönlichkeitstest wissen solltest

    3 Dinge, die Du über Persönlichkeitstest wissen solltest

    Ein paar Kreuze und wenige Worte reichen, damit Du Dir ein Bild eines Menschen machen kannst. Das zumindest verspricht eine Vielzahl von Persönlichkeitstests auf dem Markt. Was verlockend klingt, kann sich im Alltag als Nachteil herausstellen. Im Folgenden erfährst Du, worauf Du bei der Arbeit mit Persönlichkeitstests achten solltest.

    Vor einigen Tagen traf ich einen Freund auf einen Kaffee. Er hatte sich bei einem Großkonzern beworben und ich hatte ihn bei seinem Bewerbungsprozess gecoacht. Überglücklich erzählte er mir von der Zusage und von seinen Eindrücken der Führungskultur:

    „Mein Chef macht einen sympathischen Eindruck. Doch wenn wir unter vier Augen über Aufgaben und Ziele sprechen, redet er plötzlich gestelzt und blickt ständig auf einen Papierbogen. Ich bin mir sicher, darauf stehen die Ergebnisse meines Persönlichkeitstest.“

    Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht? Viele etablierte Unternehmen greifen auf Persönlichkeitstests zurück, um ihre Bewerber einzustufen. Zu diesem Zweck ist das ein durchaus legitimes Mittel. Denn sie geben wertvollen Einblick darin, was einen Menschen motiviert und im Leben antreibt. Dieses Wissen ist die Basis, um erfolgreich mit anderen Menschen zu kommunizieren.

    Probleme und Tücken lauern allerdings im Umgang mit den Erkenntnissen solcher Tests. Lass uns eintauchen in drei wichtige Hinweise, die Du im Umgang mit den Ergebnissen beachten solltest.

    1. Momentaufnahme statt Pauschalurteil

    Bei Persönlichkeitstests gewinnen wir leicht den Eindruck, wir hätten das ultimative Mittel zur Hand, mit dem wir das gesamte Verhalten eines Menschen, seine Potenziale und seine Fähigkeiten vorhersagen können. Mich erinnert das an mittelalterliche Überzeugungen, wir seien in bestimmte Verhältnisse hineingeboren und dazu bestimmt, auf ewig darin zu leben.

    Was viele nicht wissen: Wenn wir einen solchen Test ausfüllen, erhalten wir ein Bild davon, wie ein Mensch in einer ganz konkreten Situation reagiert und empfindet. Wir erhalten also eine Momentaufnahme für ein Tätigkeitsfeld oder einen genau definierten Kontext. Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht verallgemeinern und auf andere Bereiche übertragen. Weil wir je nach Situation anders reagieren, rate ich dazu, in den entscheidenden Situationen die Verhaltensmuster statt Persönlichkeitsprofile zu analysieren.

    Bekommen wir beispielsweise einen Einblick in die Verhaltensmuster eines Menschen im Bewerbungsgespräch, dann können wir davon nicht ohne Weiteres darauf schließen, wie er sich im Beziehungsleben verhält.

    Mein Surfer-Kumpel Joe ist dafür ein gutes Beispiel. Im Job mag er unselbstständig wirken und er benötigt klare Anweisungen von anderen. Doch beim Surfen zieht er selbstständig sein Ding durch und weiß genau, was er will und wie er das erreicht.

    Weil unsere Verhaltensmuster kontextabhängig sind, empfehle ich Ihnen, den Menschen in verschiedenen Bereichen zu verstehen, um sich ein vollständiges Bild vom ihm zu verschaffen.

    2. Entwicklungspotenziale fördern

    Gerade im Bereich Personalentwicklung durchlaufen die Mitarbeiter am Anfang ihrer Karriere einen Test. Dieser erlaubt dem Unternehmen, den Menschen einzustufen und optimal ins Unternehmen einzugliedern.

    Manche Führungskräfte nutzen diese Ergebnisse wie im eingangs genannten Beispiel wie ein Pamphlet, um sich im Alltag auf die Mitarbeiter einzustellen.

    Nun haben moderne Unternehmen den Wert der Weiterbildung für Ihre Mitarbeiter erkannt und fördern die Entwicklung des Einzelnen über Jahre hinweg. Oft gibt es jedoch keinen neuen Test, sodass Mitarbeiter trotz intensiver Weiterentwicklung immer noch auf Basis von Testergebnissen beurteilt werden, die längst nicht mehr ihrem Profil entsprechen.

    Schon das Wort „Personalentwicklung“ weist darauf hin, dass Veränderung im Menschen möglich und gewollt ist. Auch ein anfänglich schüchterner und unsicherer Jobeinsteiger kann sich durch gezieltes Coaching zu einer souveränen Führungskraft zu entwickeln.

    Neue Impulse beeinflussen unser Denken, das Denken beeinflusst unser Handeln und unsere Handlungen führen zu neuen Erfahrungen. Je mehr Erfahrungen wir sammeln, desto mehr können wir uns weiterentwickeln und neues oder andere Verhalten an den Tag legen.

    Bemühe Dich also nicht um verstaubte Persönlichkeitstests, sondern verschaffe Dir  regelmäßig ein Bild der Verhaltensmuster der Menschen im jeweiligen Kontext. So kannst Du seiner Entwicklung Rechnung tragen und den Entwicklungsprozess optimal an seine Bedürfnisse anpassen.

    3. Möglichkeit zur Selbstreflexion

    Bisher haben wir die Vorteile beleuchtet, die die Analyse unserer Verhaltensmuster für Dritte hat. Dabei bieten sie uns auch eine wunderbare Möglichkeit, uns selbst zu betrachten. Wann hast Du Dir zuletzt ein Bild Deiner Verhaltensmuster verschafft?

    Die Auskunft über die eigenen Muster kann Dir wertvolle Einblicke geben, welche Stärken Du in bestimmten Kontexten aufweist. Doch wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten. Du kannst Dich beispielsweise Fragen: Welche Risiken bringt ein Verhaltensmuster in bestimmten Situationen mit sich?

    Bist Du beispielsweise sehr selbstsicher und treffen Entscheidungen im Job leicht aus dem Bauch heraus, kann das von großem Vorteil sein. Gleichzeitig kann Dir dieses Muster den Hinweis geben, Dir in entscheidenden Situation eine zweite Meinung einzuholen oder sich mit einem Sparringspartner austauschen, um blinde Flecken in Deiner Wahrnehmung zu vermeiden.

    Fazit

    Analysen von Verhaltensmustern geben Dir die Möglichkeit, eine Momentaufnahme des Verhaltens eines Menschen in einem bestimmten Kontext zu erhalten. Die Ergebnisse sind also keine generelle „Gebrauchsanweisung“ für einen Menschen, sondern bilden die Ist- Situation in einem definierten Rahmen ab.

    Diese Informationen helfen Dir dabei, so mit anderen Menschen zu kommunizieren, dass Du sie erreichen und motivieren kannst. Denn verstehen und verstanden werden, bilden die Basis wirkungsvoller Kommunikation.

    Herzliche Grüße und bis bald

    Jonathan Schramke 

    Bild: Unsplash

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